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Erste Orientierungsprobleme im Bitoraj |
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Rückkehr von einer Erkundungsfahrt |
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Gernot in der Kapela |
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Wie gehts weiter? |
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Durch die Zegar-Ebene |
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Mein Klein-Australien |
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Mit Gegenverkehr ist hier nicht zu rechnen |
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Blick auf den Vransko jezero |
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Die Uferstraße am Vransko jezero |
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Die natürlich aufgestaute Krka |
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Inmitten des Krka-Nationalparks |
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Arbeitsteilung bei der Jause Markus zerteilt das Brot, ich studiere den Führer |
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Split Außenmauern des Diokletianpalastes |
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Peristyl des Diokletianpalastes in Split |
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Gernot relaxed auf der Überfahrt nach Korcula |
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Blick auf das abendliche Korcula |
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Angeblich Marco Polos Geburtshaus |
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Markus vor den Festungsanlagen von Veliki Ston |
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The road is ours |
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Blick auf Dubrovnik |
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Markus, Gernot, Berend dahinter die roten Dächer Dubrovniks |
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Reifenpanne an Gernots Twin |
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Auf einer breiten Piste vom Lemes-Pass herab |
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Eine der zahlreichen Spuren des Krieges |
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Alleine im frühsommerlichen Karst |
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Die Gedanken kreisen um einen fernen Kontinent... |
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Auffahrt zum Mali Alan |
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Vermutlich der bekannteste Wegpunkt am Mali Alan |
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Wieder ein trauriges Überbleibsel unseliger Zeiten |
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Die endlosen Windungen auf den Sveti Jure |
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Traumhafte Landschaft im Velebit Gebirge |
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Dem Tourende entgegen |
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Kroatien - Natur und Kultur in Klein-Australien
19.-29. Mai 2003
Und? Wohin gehts?, fragt mich mein Chef, als er meinen Urlaubsantrag unterschreibt. Nach Kroatien. Ah, Kroatien sehr schön! Klein-Australien, sozusagen.
Klein-Australien, sozusagen. Hmm. Diese lieb gemeinte Anspielung tut ein bisschen weh. Vor ein paar Wochen noch habe ich meine Teilnahme an einer vom Chef bereits genehmigten 3-monatigen Australienreise mit David, Isabel und Bernhard abgesagt. Als ich mich mit Markus und Gernot beide auf einer Honda Africa Twin auf traditionelle Weise an einer Autobahnraststätte südlich von Graz treffe, verliere ich aber längst keinen Gedanken mehr an down under. Wir stehen am Beginn einer Tour durch Kroatien, für die wir kaum einen Plan haben. Nur 2 Faktoren sind fix: Wir haben 11 Tage Zeit und wir wollen unbedingt bis Dubrovnik kommen. Alles andere werde mehr oder weniger von Tag zu Tag geplant.
Der Transit nach Kroatien ist von Österreich aus eine angenehm kurze Angelegenheit: In 4 Stunden ist man von Graz in Delnice an der kroatisch-slowenischen Grenze. Diese Gegend war uns bereits von mehreren Kroatien- und Slowenienreisen bekannt und so suchen wir uns diesmal von Delnice querwaldein durchs Bitoraj-Gebirge einen Weg nach Crikvenica an der Küste. Schon am 1. Fahrtag haben wir also Schotter unter den Reifen sehr verheißungsvoll!
Der 2. Reisetag steht auch noch vorwiegend im Zeichen des Kilometerfressens, schließlich wollen wir bis zum Abend die Stadt Zadar, das Tor nach Dalmatien erreichen. Gegen Ende eines eher unspektakulären Fahrtags machen wir kurz Rast auf der Abfahrt vom Prezid-Pass, zwischen Gracac und Obrovac gelegen. Während Gernot und ich gedanklich schon bei einem kühlen Bier in Zadar sind, schlägt Markus die Durchquerung der unter uns gelegenen Ebene vor. Von oben betrachtet nichts als trockene Buschlandschaft, ohne Ortschaften, durchzogen nur von einigen wenigen Wegen. Geniale Idee! In der Ebene angelangt finden wir eine schier undurchdringbare Landschaft aus Karstgestein und mannhohem Buschwerk vor. Als die Asphaltstraße in einen relativ geraden, leicht rötlichen Schotterweg übergeht, schießt es mir durch den Kopf: Klein-Australien!
In Zadar angekommen geht ein Wolkenbruch über uns nieder und wir sind nicht unglücklich darüber, von einem älteren Herrn seine Frühstückspension angeboten zu bekommen. Die Pension Marija knapp außerhalb des Zentrums erweist sich sogar als absoluter Glücksgriff, bietet sie doch um € 15,- außer einem großen Zimmer, einem Motorradparkplatz und einer sehr netten Wirtsfamilie auch ein ungewöhnlich üppiges Frühstück teutonischer Art. Die Altstadt Zadars, umgeben von einer venezianischen Stadtmauer, ist einen Besuch unbedingt wert. Unter der Herrschaft der Venezianer vom 15. bis 18. Jhdt. wurde Zadar zur bedeutendsten Stadt Dalmatiens, was heute noch an vielen venezianischen Bauten im Stadtbild abzulesen ist.
Die Tagesetappe nach Split bietet 2 Highlights. Auf erstes von beiden stoßen wir rein zufällig: Östlich von Biograd liegt der Vransko jezero, ein Süßwassersee, der nur durch einen schmalen Landstrich vom Meer getrennt ist. Um einen Blick auf den See werfen zu können, fahren wir eine steile Schotterauffahrt auf einen Kamm am Ostufer hoch. Dort bietet sich uns nicht nur eine sensationelle Aussicht auf den See, die der Küste vorgelagerten Inseln und das dalmatinische Hinterland, sondern auch ein Schotterweg, der den ganzen See entlang führen sollte. Zweiter Höhepunkt des Tages ist die Umrundung des Krka Nationalparks. Das Wasser der Krka fließt südlich von Kistanje in einem Canyon und wird schließlich durch natürliche Barrieren in zwei Seen zurückgestaut. Nachdem wir beide Seiten des Canyons abgefahren haben, wollen wir uns die im Reiseführer als eines der großen Naturwunder Europas angepriesenen Terrassen im Nationalpark ansehen. Über ein System von Wegen, Stegen und Brücken gelangt man zu den zahlreichen Barrieren, an denen das Wasser gestaut und über kleinere und größere Fälle zu Tal strömt. Bestimmt ein interessantes Schauspiel, aber zahlreiche Busladungen österreichischer Rentner mindern schnell unsere Lust an einem längeren Aufenthalt. In Split ist abends rasch ein Quartier gefunden und wir lassen den Tag in einem hervorragenden Restaurant, das uns eine Verkäuferin in einem Kunstladen empfohlen hat, ausklingen (Restaurant Spelun in der gleichnamigen Gasse).
Der nächste Tag steht im Zeichen einer Stadtbesichtigung Splits der Stadt im Kaiserpalast. 295 n. Chr. ließ der römische Kaiser Diokletian an der dalmatinischen Küste einen Palast, der sein Alterssitz werden sollte, errichten. Die 215m x 180m große Anlage beherbergte nicht nur die kaiserlichen Wohnräume, sondern auch Wirtschaftsgebäude, Verwaltungsbauten und eine Kaserne. Rund um den Palast wuchs im Laufe der Jahrhunderte das heutige Split heran. Vom 15. bis 18. Jhdt. herrschten, wie fast überall entlang der adriatischen Küste, die Venezianer in Split und hinterließen dementsprechend ihre Spuren in dieser Stadt. Ein Bummel durch das historische Zentrum gleicht somit dem Besuch eines Freilichtmuseums, in dem einander antike und mittelalterliche Elemente abwechseln. Für uns ist jedoch um 15 Uhr Schluss mit dem Geschichtsunterricht und wir rollen mit unseren Motorrädern auf die Fähre nach Korcula. Dachten wir zumindest, denn als die Fähre um 14.45 ablegt, kommen bei uns schwere Zweifel auf. Und tatsächlich: Wir sind an Bord der Fähre nach Brac. Dem Steward kurz unser Problem dargelegt, dieser ein Wort mit dem Kapitän gewechselt und im nächsten Moment wendet die Fähre zurück in den Hafen von Split. Unter dem freundlichen Gelächter der übrigen Passagiere wechseln wir kurzerhand das Schiff. Schön, dass hier noch so viel Flexibilität und Kundenfreundlichkeit gelebt wird ein derartiges Entgegenkommen wäre in unseren Breitengraden wohl ausgeschlossen.
Korcula ist einer der unzähligen der dalmatinischen Küste vorgelagerten Inseln. Unsere Fähre legt am Westende in der Ortschaft Vela Luka an. Von dort geht es entlang einer knapp 50 km langen Straße durch eine von Eichenwäldern und kleineren Gemüsefeldern geprägten Landschaft nach Korcula-Stadt am Ostende der Insel. Die Hauptstadt der Insel, die wie sollte es anders sein unter wesentlichem Einfluss der Venezianer stand, wird von einer massiven Stadtmauer rund um das historische Zentrum geprägt. Innerhalb der Mauern verlaufen zahlreiche Gassen und Stiegen in nord-südliche Richtung, während nur eine Magistrale von West nach Ost verläuft. Berühmtester Sohn Korculas ist, wie hier fest behauptet wird, Marco Polo. So wie sein angebliches Geburtshaus dem Verfall überlassen wird, dürfte sich unserer Ansicht nach der Stolz der Korculaner aber in Grenzen halten. Ansonsten hinterlässt die Insel, vor allem aber die Stadt, einen sehr positiven Eindruck bei uns. Nicht zuletzt dank der Gastfreundschaft unseres Wirten Djani, einem passionierten Segler und Restaurator alter Motorräder, auf dessen Terrasse wir bei süßem Wein gebannt seinen Ausführungen über das Leben in Kroatien, seinen Reisen nach Mitteleuropa und seinen Motorrad-Abenteuern aus wilden Jugendtagen lauschen.
Von Korcula ist man in ca. 15 Minuten per Fähre auf der Halbinsel Peljesac. Auf der Suche nach einer Passage zur Nordküste treffen wir erstmals auf unserer Tour auf einen per Schranken gesperrten Schotterweg. Also gelangen wir über die Hauptstraße zu den Ortschaften Mali Ston und Veliki Ston, die direkt am Isthmus zwischen Peljesac und dem Festland liegen. Wegen der strategischen Bedeutung haben die Ragusaner (Ragusa ist der alte Name Dubrovniks) in beiden Orten mächtige Festungen erbaut, die sie mit einer gerade über den Berg verlaufenden Mauer verbunden haben. Erstmals ist es richtig heiß auf unserer Tour und so geraten wir beim Rundgang über die südliche Festungsanlage gehörig ins Schwitzen. Nun ist es nicht mehr weit bis Dubrovnik, das wir über einen kleinen Abstecher durchs Hinterland am späten Nachmittag erreichen.
Wir legen wieder einen Kulturtag ein, schließlich zählt Dubrovnik, die ehemalige Freie Stadt Ragusa, zu den herausragendsten Städten Europas. In seiner achthundertjährigen Geschichte (von ca. 1000 bis 1806) gelang es Ragusa immer wieder, die großen Mächte, inbes. Venedig und das Osmanische Reich, gegeneinander auszuspielen und fast immer unbehelligt zu bleiben. Zu Wohlstand gelangte die Republik durch den Seehandel. Heute ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle Dubrovniks. Wir tauschen also unsere Motorradstiefel gegen Sportschuhe und beginnen den Tag mit einem Rundgang auf der imposanten Stadtmauer. Die Wahl des Zeitpunkts ist goldrichtig, denn in der Früh sind die Touristenströme (wir sind nota bene in der Vorsaison) noch erträglich und die Sonne brennt auch noch nicht so erbarmungslos herunter. Für den Rundgang sollte man sich etwa 2 Stunden Zeit nehmen, insbesondere wenn man, wie wir, auch noch einen Abstecher ins Schifffahrtsmuseum (angenehm kühle Abwechslung) macht. Danach nehmen wir uns die autofreie Innenstadt vor, flanieren durch enge Gassen, über prächtige Plätze und sehen uns die eine oder andere Kirche an. Die gewaltigen kulturellen Eindrücke werden leider durch die brutalen Formen des Massentourismus geschmälert. Das Angebot an Restaurants, ob upper-class oder fast food, ist enorm groß. Und auf Schritt und Tritt versucht uns ein Keiler in sein Lokal zu schleppen. Am früheren Nachmittag verspüren wir also wieder den unbändigen Drang Motorrad zu fahren. Ohne Gepäck und teilweise leicht bekleidet satteln wir also auf, um ein wenig ins Hinterland Dubrovniks zu kreuzen. Wir kommen aber nicht weit: Bereits an der Stadtausfahrt fehlt Gernot. Als wir umkehren, finden wir ihn mit einem platten Hinterreifen am Straßenrand stehen. Die Reparatur ist zum Glück einigermaßen schnell erledigt dass deutsche Motorradfahrer zwar toll gaffen können und um ein Haar Auffahrunfälle verursachen, es aber nicht der Mühe wert finden kurz anzuhalten, muss leider auch erwähnt werden und so können wir unseren geplanten Ausflug starten. Wir fahren bis Cavtat, ein kleines idyllisches Fischerdorf im Süden Dubrovniks, das den südlichsten Punkt unserer Tour markieren sollte. Abends ist in Dubrovniks Altstadt der Bär los: Nachdem die große Masse der Bustouristen abgezogen ist, gehören die Bars den Einheimischen. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung auf den Straßen und wir genießen es, in einem bequemen Fauteuil knotzend und mit einem kühlen Drink in der Hand den überaus feschen Mädels nachzuschauen.
Dubrovnik ist der Wendepunkt unserer Tour, ab nun geht es wieder Richtung Norden. Wir wählen vorest die Küstenstraße, der wir bisher hartnäckig ausgewichen sind. Aus gutem Grund, denn das Fahren auf der Küstenstraße ist alles andere als ein Genuss. So schön die Landschaft ist, so anstrengend ist der starke Verkehr. Es ist fast unmöglich, einen Fahrrhythmus zu finden, nach kurzen freien Passagen wird man abrubpt von einer Kolonne hinter einem langsamen LKW gestoppt. Überholmanöver gestalten sich bei dem kurvigen Verlauf nicht ganz einfach. Dennoch wird man selbst immer wieder von einheimischen Autofahrern in Kamikaze-artigem Stil überholt. Bei Neum fahren wir entlang eines Korridors durch bosnisch-herzegowinisches Staatsgebiet, ohne jegliche Grenzkontrolle. Man sieht hingegen deutlich, dass hier weder Tourismus noch Wohlstand an kroatische Verhältnisse heranreichen. Wieder auf kroatischem Boden fahren wir ab von der Hauptstraße, um einen Abstecher ins Delta der Neretva zu machen. Das flache, von zahlreichen Flussarmen und Kanälen durchzogene Delta steht in krassem Gegensatz zur gebirgigen Küstenlandschaft Dalmatiens. Eine willkommene Abwechlung. Nicht so sehr willkommen ist hingegen Gernots erneuter Plattfuß. Was war geschehen? Die Flicken, mit denen wir tags zuvor seinen Schlauch repariert hatten, haben sich losgelöst. Ein leichtsinniger Fehler ist uns hier unterlaufen. Von der Idee getrieben, den mitgeführten Reserveschlauch für Pannen in abgelegeneren Regionen aufzuheben, haben wir auf die Flicken zurückgegriffen. Dass dies bei unglücklichem Hergang auch zu einem Sturz Gernots hätte führen können, wurde uns nun langsam bewusst. Diesmal lassen wir uns auf nichts mehr ein und ziehen den Ersatzschlauch auf. Problem behoben, es geht weiter. Der am anderen Ende des Deltas folgende Abschnitt der Küstenstraße ist erstaunlicherweise fast frei von Schwerverkehr, dieser dürfte entlang der Neretva Richtung Bosnien-Herzegowina abgezweigt sein. Somit haben wir auf einmal eine außerordentliche Genussfahrt, die wir zur Feier des Tages mit einem Bad in einer kleinen Bucht unterbrechen. Bei Podgora fahren wir noch am späten Nachmittag eine Stichstraße hinauf auf den Sv. Jure. Dieser ist mit 1762m der höchste Gipfel des Biokovo Gebirges. Eine schmale Asphaltstraße, die zum Teil sogar für Motorräder mühsam zu fahren ist, so sehr windet sie sich, führt bis ganz auf den Gipfel hinauf. Von dort hat man natürlich einen großartigen Panoramablick auf die Adria einerseits und auf das bosnisch-herzegowinische Binnenland andererseits.
In Makarska statten wir dem dortigen KTM-Stützpunkt einen Besuch ab, um einen neuen Reserveschlauch zu besorgen. Der Laden ist ganz toll sortiert, es gibt alles, was das KTM- bzw. Enduroherz begehrt. Außer einen Schlauch in der von uns benötigten Größe. Wir schlagen wieder den Weg ins Landesinnere ein und finden zwischen Katuni und Ugljane eine wahre Genussstrecke vor: hügelig, leicht geschwungen, leer wir fahren wie in Trance. Die Fahrt entlang des Stausees Perucko jezero ist zwar eine Enttäuschung, umso genialer ist aber die Fahrt über den Schotterpass Lemes. Am Ende des Passes lassen wir auf einer breiten schnurgeraden Schotterpiste Rallyefeeling aufkommen und gasen einmal richtig an. Klein-Australien, denke ich mir wieder einmal, und grinse euphorisiert in meinen Helm hinein. Unser Etappenziel liegt auf der Halbinsel Murter, bekannt für seine Yachthäfen. In der Nebensaison ist dort nicht viel los, dennoch dauert es keine 10 Minuten, bis wir am Hauptplatz in Wiener Dialekt auf das klassische Woher Wohin angesprochen werden. Markus ist in solchen Sachen stets der Kommunikativste von uns und so erfährt er, dass das pensionierte Ehepaar gut ein halbes Jahr in Kroatien verbringt und nach eigenen Aussagen königlich lebt, da hier ja alles so billig sei. Na hoffentlich erlauben uns unsere Renten eines Tages auch so einen angenehmen Lebensabend.
Auf dem Weg nordwärts beschließen wir, noch einmal entlang des Vransko jezero zu fahren, diesmal in die entgegengesetzte Richtung. Nach einigem Suchen finden wir den Einstieg in die gut 20 km lange Schotterstrecke am Ostufer des Sees und legen es diemal, da wir die Ausblicke schon kennen, ein wenig sportlicher an. Wir fahren durch Obrovac, einem in einem tiefen Flusstal gelegenen Städtchen, in dem es brütend heiß ist. Unser Ziel ist der Mali Alan, gemeinhin der Klassiker der Schotterpässe Kroatiens. Bevor es losgeht, legen wir noch einen Raststopp bei Anitas Restaurant in Zaton Obrovacki ein. Das Lokal ist ein beliebter Truckerrastpunkt und glänzt mit üppigen und deftigen Mahlzeiten. Uns reichen schon die riesigen Sandwiches mit luftgetrocknetem Schinken. Mit vollem Bauch geht es dann aber hinauf auf den Mali Alan. Anfänglich ist Vorsicht geboten, da die Strecke wegen des Autobahnbaus von Baustellenfahrzeugen stark frequentiert wird. Aber ab Beginn des ca. 20 km langen Schotterabschnitts ist man de facto alleine. Die Fahrt führt über teils recht groben Schotter hinauf ins Karstgebirge und durch Buchenwälder wieder hinab ins kroatische Hinterland. Wir fahren über Gospic zurück an die Küste nach Karlobag und wollen noch ein kleines Island-Hopping einlegen: zuerst auf die Insel Rab und von dort auf Krk. Aber Die Fährverbindung Rab-Krk wurde eingestellt, zumindest in der Nebensaison. Etwas enttäuscht überlegen wir eine Alternative zur langweiligen Küstenstraße. Auf unserer Karte sind entlang des Küsten-Gebirgskamms einige dünn strichlierte Wege eingezeichnet die könnten wir doch erkunden! Und tatsächlich: einfach auf Verdacht irgendwelche Schotterstraßen eingeschlagen und schon fahren wir auf traumhaften Wegen durchs Velebit Gebirge. Immer wieder haben wir sensationelle Ausblicke auf die tief unter uns gelegene Adriaküste und die vorgelagerten Inseln Rab, Cres und Krk. Meine KTM Adventure ist in ihrem Element und ich genieße jeden Meter aufs Äußerste.
Für den Abschluss der Reise haben wir uns noch einen Besuch der Insel Krk vorgenommen. Dazu fahren wir noch einmal die eher langweilige Küstenstraße entlang bis Kraljevica, um dann über eine Brücke Krk anzusteuern. Die Insel entpuppt sich leider als große Enttäuschung. Das touristische Aufkommen ist um vieles höher als das, was wir bisher erlebt haben. Im Gegensatz um übrigen Kroatien ist hier das Befahren von Schotterwegen verboten. Landschaftlich tut sich auch nicht viel. Und zu allem Überfluss fasse ich noch ein Strafmandat wegen überhöhter Geschwindigkeit (100 km/h auf einer 60iger-Kreuzung) aus. Als mir der Polizist in gebrochenem Deutsch fünfzig hundert als Strafsumme nennt, trifft mich leicht der Schlag. 5000 Kuna (50 mal 100)? Nein, zum Glück meint er 150 Kn, also rd. 20 EUR. Noch einmal glimpflich davongekommen.
Rasch wollen wir an unserem letzten Reisetag Krk verlassen. Es ist ein katholischer Feiertag in Österreich und dementsprechend wälzt sich uns eine Autokolonne mit Kurzurlaubern entgegen. Wir schlagen den selben Weg wie auf der Herfahrt ein, treten also bei Delnice wieder über die kroatisch-slowenische Grenze und nehmen den kürzesten Weg Richtung Heimat. Markus trennt sich in Ljubljana von uns, Gernot und ich fahren noch gemeinsam bis Klagenfurt, wo auch wir auseinandergehen.
Der Abschluss unserer 11-tägigen Reise mag also eine kleine Enttäuschung sein, die aber das Erlebte und Gesehene der vorangegangenen Tage nicht im Geringsten schmälern kann. Wer eine Kombination aus Natur, Kultur und Endurofahren sucht, findet in Kroatien ein traumhaftes Reiseziel. Und wähnt sich mitunter mit ein wenig Phantasie in einem weit entfernten Kontinent am anderen Ende der Welt...
Gesamtstrecke
(Graz Dubrovnik Klagenfurt): 2.500 km
Bikes on Tour
KTM Adventure (Bereifung Metzeler Enduro 3)
Honda Africa Twin RD 07 (Bereifung Pirelli Scorpion hi, Michelin T66 vo.)
Hondo Africa Twin RD 04 (Bereifung Michelin T66)
Unterkunft
Hptsächlich in Frühstückspensionen: ca. 15 20 EUR p.P. (Nebensaison). Euro als Zahlungsmittel gerne gesehen.
Fährverbindungen
Split Vela Luka (Korcula): 3 Std, 102 Kuna (ca. 15 EUR) für Passagier und Motorrad
Kor_ula Orebic: 15 Min, 20 Kuna (ca. 3 EUR)
Kartenmaterial
Freytag & Bernt: Kroatien 2, 1:250000
Reiseführer
Dumont Richtig reisen: Kroatien (ISBN 3-7701-5372-3)
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